DBU Kongress 2010

 

Arbeit • Umwelt • Wirtschaft

VERANTWORTLICH HANDELN

ERKENNEN | BENENNEN | ÄNDERN

15. bis zum 17. Oktober 2010

Berlin, Freie Waldorfschule Kreuzberg

 

Weltwirtschaftskrise, Klimakatastrophe, soziale Ungerechtigkeit: Die Welt leidet unter schweren Verwerfungen, die unsere Existenzgrundlagen gefährden und viel Leid hervorbringen. Es ist unübersehbar geworden, dass grund­legende Veränderungen dringend notwendig sind.

Zugleich wollen angesichts der Krisen immer mehr Menschen über neue Formen des Arbeitens, Wirtschaftens und Zusammenlebens nachdenken. Wie können wir die Ausbeutung von Menschen und Ressourcen stoppen? Welche Wirtschaftsordnung bietet eine stabile Basis für ein achtsames, liebevolles Miteinander? Was können wir den angeblichen Sachzwängen einer globalisieren Wirtschaft entgegensetzen?

Wie wollen wir miteinander leben?

Die Deutsche Buddhistische Union (DBU) möchte diese Fragen auf einem Kongress erörtern und dazu ermuntern, Verantwortung zu übernehmen. In der Waldorfschule Berlin-Kreuzberg werden sich Buddhistinnen und Buddhisten mit Akteuren ganz verschiedener gesellschaftlicher Bereiche treffen. In Workshops, Vorträgen und Podiumsdiskussionen wollen wir ergründen, was es in der heutigen Zeit bedeuten kann, ethisch und verantwortungsbewusst zu handeln. Projekte, die von Achtsamkeit und Mitgefühl geprägt sind, können sich vorstellen und vernetzen.

Unser Kongress soll Fragen aufwerfen, Antworten geben und zum Handeln motivieren. Projekte, die von Achtsamkeit und Mitgefühl geprägt sind, können sich vorstellen und vernetzen. Zugleich wollen wir der Öffentlichkeit die Grundzüge buddhistischer Ethik nahe bringen.

Ethisches und verantwortungsbewusstes Handeln bildet das Fundament der Buddha-Lehre. Der Dharma enthält außerdem hervorragende Anleitungen, wie Menschen und Gesellschaften sich verändern können.

Es wird Zeit, dass wir uns zu Wort melden!

 

Programm

Der Kongress begann am Freitagabend um 19 Uhr mit Referaten von

Prof. Götz Werner

Grundeinkommen www.unternimm-die-zukunft.de

Prof. Karl-Heinz Brodbeck

Umrisse einer Buddhistischen Wirtschaftsethik

 

Vor den Workshops am Samstag gab es zwei weitere Vorträge:

Wilfried Reuter

Schwierige Entscheidungen treffen – Ethik im Berufsalltag

Kai Romhardt

Wir sind die Wirtschaft – alltägliche Wege zu einer buddhistisch inspirierten Ökonomie des Wesentlichen und Sinnvollen

 

Es gab zwei, von Holger Wicht moderierte Podiumsdiskussionen.
Für das Podium am Samstag konnten wir Sven Giegold (MdEP, Die Grünen) gewinnen.

Am Samstagabend erfreute uns Lotos Vihara e.V. mit einem Kultur-Kabarett.
Während des Kongresses fanden Treffen der DBU-Einzelmitglieder, der DBU-AG „Frauen“ und der AG „Umwelt“ statt.

 

Workshops

Im Mittelpunkt des Kongresses standen drei Workshop-Phasen à 90 Minuten:

Ralph Boes

www.buergerinitiative-grundeinkommen.de

Frei und selbstlos handeln! Bedingungsloses Grundeinkommen: die Lösung aus der Lohnbedürftigkeit.

 

Christoph Bangert + Ineke Smits

www.dharmapublishing.com

1. Stress in Wohlbefinden umwandeln für das Individuum. Stress und Burnout kann u. a. auf drei Formen des Ungleichgewichts zurückgeführt werden: ein Ungleichgewicht zwischen ‚Geben und Empfangen’, ‚Denken und Fühlen’ und ‚Sein und Tun’. Die Anwendung von „on-the-job-tools“ schafft Bedingungen für den Ausgleich, der einerseits Stress und Burnout vorbeugt und andererseits zu gesteigertem Wohlbefinden führt.

2. Stress in Wohlbefinden umwandeln für das Team. In Teams ist Stress ein Indikator dafür, dass in einem oder mehreren von drei wesentlichen Bereichen – Kommunikation, Zusammenarbeit, Verantwortung – ein Ungleichgewicht besteht. Dies zu erkennen ist die Voraussetzung dafür, die Bedingungen so zu verändern, dass die Energie der Individuen wieder ungehindert durch den Organismus Team fließt.

 

Prof. Karl-Heinz Brodbeck

www.khbrodbeck.homepage.t-online.de

1. Weder Dhamma-Sozialismus noch Karma-Kapitalismus. Irrwege der buddhistischen Ökonomie. Ich möchte als einen thematischen Schwerpunkt inhaltlich auf einige alltägliche und wissenschaftliche Vorstellung vom Geld und den damit verbundenen Täuschungen eingehen, die letztlich für all jene Probleme verantwortlich sind, die uns in den letzten Jahren als Krisen „um die Ohren“ fliegen.

2. Hilft die Madhyamaka-Lehre auch im Alltag? Zweiter Workshop-Vortrag am Sonntag.

 

Dorothee Ender + Petra Ott (Assistenz)

Gemeinsame Ökonomie in Kommunen bedeutet, dass alle in einen Topf wirtschaften. Haus und Land und z.B. Autos gehören allen. Jetzt schon leben viele Menschen in Deutschland in alternativen Wohnprojekten. Wie das funktionieren kann, darum soll es in unserem Workshop gehen. Wir beschreiben ein paar grundsätzliche Strukturen und Organisationsformen, die das friedliche Miteinander ermöglichen. Anschließend dürft ihr Fragen stellen. Wir freuen uns auf euch!

 

Manfred Folkers

Auf die Motive kommt es an – Wie das Dharma dazu beitragen kann, ein gesellschaftliches Engagement geistig zu ‚unterfüttern’.

 

Norbert Gahbler + Gabi Bott (Assistenz)

www.tiefenoekologie.de

1. Ich bin ein Teil dieser Erde – Tiefe Ökologie nach Joanna Macy Sind Umweltthemen eine Last – oder Freude? Ist mein Körper ein Hindernis auf meinem persönlichen Heilsweg oder ist er grundlegender Teil dieses Wegs? Und was ist die Erde – unser aller erweiterter Körper – für uns als Menschheit? Kann ich noch staunen vor dem Wunder und der Heiligkeit der Entwicklung des Lebens auf dem Planeten Erde? Welche Gefühle und emotionalen Widerspiegelungen wecken in mir Bilder von zerstörten Lebensräumen, von verletzten Lebewesen? Ruft mich die Erde oder das Leben zum Handeln? Diese Fragen lebenspraktisch anzugehen ist Methode in der Arbeit der „Tiefen Ökologie“. Wenn es gelingt, unser Wissen in Erfahrung zu wandeln, wenn wir unser Fühlen miteinander teilen und es wagen, mit neuen Augen zu sehen, dann sind wir auch bereit für die Zukunft. [Dieses Seminar geht über 2 x 1,5 Std., die Teilnahme nur einer der beiden Hälften ist leider nicht möglich.]

2. „Wäre die Welt mein Geliebter …“ Lesung aus „Fünf Geschichten, die die Welt verändern“ von Joanna Macy und Norbert Gahbler.

 

Christoph Rei Ho Hatlapa + Katharina Weber

Gewaltfreie Kommunikation (GfK) nach Marshall Rosenberg. www.choka-sangha.de

 

Susanne Heutling

Buddhas Lehre vom mittleren Weg: Zwischen Konsumrausch und Konsumverzicht – retten wir die Welt an der Ladentheke? Sammā Kammanta – Buddhas Lehre vom rechten Handeln erscheint in unserer modernen Welt des globalen Wirtschaftens mit all seinen ökologischen und sozialen Auswirkungen so wichtig wie nie zuvor. Die Maxime der nachhaltigen, das heißt zukunftsfähigen Entwicklung unserer Gesellschaft zielt auch auf unsere Konsumgewohnheiten ab und hat u.a. zu dem Phänomen der so genannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainablility) geführt. Die Idee dahinter lautet: Der Konsument als ‚Kunde König‘ kann quasi an der Ladentheke Unternehmen zwingen, sich umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten. Auch wenn diese Bewegung einige Erfolge feiern kann, stellt sich doch gerade aus buddhistischer Sicht die Frage: Reicht das aus?

Erfolgreich haben uns die Marketing-Abteilungen der Unternehmen über Jahrzehnte suggeriert, dass wir Konsumenten sind. Die Wahrheit jedoch ist, dass wir lediglich auch Konsumenten sind. Die Qualität unseres Lebens wird von weit mehr Faktoren bestimmt. In dem Workshop wollen wir deshalb der Frage nachgehen, wie wir unseren Alltag nachhaltiger gestalten können und auf welche Weise uns buddhistische spirituelle Übungen dabei unterstützen können.

 

Rainer Kippe

www.ssm-koeln.org/start/start.htm

Ökonomie des Mitgefühls – Einführung in die „Neue Arbeit“ und die Möglichkeit, sein eigenes Wirtschaften neu zu sehen.

 

Manfred Krautter

www.ecoaid.de

Campaigning für Buddhisten – Wie werde ich als umweltbewusster Buddhist aktiv? Verantwortliches Handeln kommt nicht von selbst. Wir lernen und probieren aus, wie wir uns wirkungsvoll bei gesellschaftlichen Entscheidungsträgern für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen engagieren können.

 

Dr. med. Wilfried Reuter

www.lotos-vihara.de

Schwierige Entscheidungen treffen – Ethik im Berufsalltag 

 

Dr. Kai Romhardt

www.romhardt.com

Das Netzwerk Achtsame Wirtschaft: Erfahrungen, aktuelle Projekte und Perspektiven.
* Vorstellung des Netzwerks und zentraler Erkenntnisse aus insgesamt 100 Netzwerkveranstaltungen
* Einführung in zentrale Methoden und Übungsformen des Netzwerks
* Was bedeutet achtsames Wirtschaften für mich persönlich?
* Aktuelle Projekte und Entwicklungen im Netzwerk
* Wie kann ich mich verbinden? Was kann ich beitragen?

 

Arne Schaefer + Irmi Jeuther

www.lotus-consult.de

Wir sind alle Buddhas, oder? Wege zu einer harmonischen, effizienten und inspirierten Zusammenarbeit in buddhistischen Zentren und Gremien. Strukturen, Entscheidungsfindung und Umgangskultur auf der Grundlage buddhistischer Werte – selbstverständlich auch in der Geschäftswelt hilfreich.  😉

 

Joseph Serra

Buddhismus und Umwelt. Vortrag mit Video-Präsentation und Austausch mit dem Publikum (Englisch mit Übersetzung). Tibetische Meister und der Erhalt unserer Erde, Vorstellung des Projektes «Buddhism and Environment» das durch S.H. Dalai Lama, S.H. Sakya Trizin, S.H. Karmapa unterstützt und gefördert wird.

 

Ludwig Schuster

www.livingcity.dewww.monneta.org

Gestaltung nachhaltiger Geldsysteme – Wirkweisen und Prinzipien von Regional-und Komplementärwährungen.

 

Michael Slaby

www.earthcharter.org

Buddhistische Antworten auf die ökologische Krise – Was können wir tun? Kennen Sie das auch? Diese Mischung aus Wut, Trauer und Hilflosigkeit, die hochkommt, wenn uns die Bilder von der nächsten ökologischen Katastrophe erreichen? Wie kann uns die buddhistische Praxis in solchen Situationen helfen? Was können wir als Einzelne machen – reichen die „kleinen Schritte des Alltags“ aus, um die tief greifenden Veränderungen herbeizuführen, die nötig sind? Was können wir darüber hinaus tun? Der Workshop möchte Raum zum Erfahrungsaustausch geben und Beispiele sammeln, wie wir als Einzelne und gemeinsam aktiv werden können, um positive Veränderungen zu bewirken.

 

Dagmar Traub

www.dharmapublishing.de

1. Skillfull Means – Lebendigkeit und Freude bei der Arbeit spüren. Obwohl wir eigentlich gerne arbeiten, fühlen wir uns durch unsere Arbeit häufig ausgelaugt. Durch Skillful Means lernen wir, uns während der Arbeit so zu entspannen, dass der Körper mit Energie aufgeladen wird und wir Lebendigkeit und Freude spüren

2. Unser Körper – eine immer gegenwärtige Quelle von Freude und Erfolg. Vielleicht haben wir den Körper lange vernachlässigt. Das tibetische Yoga Kum Nye kann uns helfen, diese immer gegenwärtige Quelle wieder zu beleben. Es ist sehr einfach auszuführen, bringt uns aber durch Fühlen direkt zu tiefen Ebenen von Entspannung und Energie.

 

Thomas Waldhubel

www.soziokratie.org

1. Achtsames Zusammenwirken Selbstorganisation im Sangha und anderswo. Die vier soziokatischen Prinzipien nach Gerard Endenburg (www.sociocratie.nl) werden vorstellt. Ähnlich wie Meditation erscheinen sie einfach und leer, entfalten aber in der Praxis eine große Kraft. Die Erfahrungen zeigen: In vielen Zusammenhängen helfen sie, Arbeitsbeziehungen vertrauensvoller, respektvoller, wertschätzender und zufrieden stellender zu gestalten. In Übungen können die Teilnehmer davon einen ersten Geschmack gewinnen.

2. Können Organisationen erwachen? „Was immer im Raum ist, es ist dein Geist“ Chögyam Trungpa. Wenn Menschen zusammenwirken, entstehen Organisationen. Gemeinsam werden wir der Frage nachgehen, wie wir beitragen können zu befreiten Organisationen, in denen wir unser menschliches Potential verwirklichen und unserer Bestimmung folgen und zum Wohle aller beitragen. Haben wir dazu den Mut, ein Handeln in Verbundenheit auch und gerade in Arbeit und Wirtschaft für möglich zu halten? Und wie radikal müssen wir unsere eigene Sicht auf unser Sein in Organisationen befragen, um uns von der Illusion des Getrenntseins zu befreien?

 

Katharina Weber

Nachhaltig leben – aber wie? Die Krisen in der Welt sind uns allen bekannt und – die Krisen reichen schon jetzt in unsere privaten Leben hinein und wir suchen Lösungen oder zumindest Ansätze für solche Lösungen. In diesen Workshop denken wir gemeinsam nach und Katharina Weber gibt aus dem Bereich des nachhaltigen Denkens und Planens, der Permakultur, Denkanstöße und Hinweise, die auch für BuddhistInnen anwendbar sind.